Anmerkung zu Georg Seeßlen
von © Text | 16.06.2009 | 0 Kommentare
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Heute bin ich auf ein Essay von Georg Seeßlen bei der filmzentrale gestoßen.

Seeßlen ist, zumindest für mich, eine Lichtgestalt der deutschen Filmkritik. Um so erstaunlicher ist die Tatsache, dass er, der in all den Jahren unentwegt und produktiv Kritiken, Biographien und Essays herausgebracht hat, zur der Erkenntnis kommt, dass die deutsche Filmkritik in einem Dilemma steckt.

In dem Essay „Aliens versus Monsters Oder: Die intellektuelle Filmkritik und das Popcorn-Universum.“ vergleicht er die intellektuelle und die Popcorn-Filmkritik und kommt (mit einfachen Worten gesagt) zu dem Schluss:
dass erstens die eine ohne die andere (wahrscheinlich) nicht existieren kann und zweitens, weder die intellektuelle noch die Popcorn-Kritik im Stande sind, sich anzunähern, geschweige denn einen Kompromiss zu finden.

Es steht die Frage im Raum, wie eine Filmkritik auszusehen hat. Ich selber versuche mich gerade (mal wieder) daran und es fällt mir schwer, eine richtige Linie zu finden. Schreibt man nun für den Film und damit auch gleichzeitig für die Nehmer und Geber, sowie für das zuschauende Publikum oder schreibt man für die Kunst: Stilisiert die Filmsprache ins Extreme, zerpflückt die metaphorischen Bilder und wendet sie auf uns, die Gesellschaft an beziehungsweise konnotiert einen Film statt mit objektiver Herangehensweise zu einem subjektiven Plausch, um den Durst der eigenen Befriedigung zu stillen?

Leider ist im Essay auch die Feststellung gemacht worden, das selbst der Versuch, einen Mittelweg zu finden, nicht möglich ist. Obwohl dieser Aspekt nicht konkret auseinandergepflückt wurde und es sich vielmehr um eine Hypothese handelt:

„Die intellektuelle Kritik nimmt die Popcorn-Tüte in die Hand; die Popcorn-Kritik schnappt sich soziologische und psychologische Brocken. Das Ergebnis ist ein rapider Qualitätsverfall auf der einen wie auf der anderen Seite.“ (Seeßlen, epd Film 6/2009)

Trotzdem ist der Schluss dennoch hoffnungsvoll, stellt er den geneigten Kritiker an die Wand und meißelt ihm auf die Brust:
er solle zumindest nicht […] langweilig, arrogant oder korrupt (Seeßlen, epd Film 6/2009) schreiben.

Schade finde ich, dass Seeßlen nicht auf sich selber Bezug genommen hat. Es würde mich nämlich sehr interessieren, wie er seine Rolle in der Kritikerlandschaft sieht -und in welchen Ausmaß. Aber es ist wohl der Objektivität geschuldet, dass man darüber nichts erfährt.

Somit ist abzuwarten, ob sich an der Kritikerfront noch etwas tut, oder das Thema wie so viele einfach vergessen oder diskutiert und fallen gelassen wird.

Natürlich muss es verschiedene Stile geben und das Essay richtet sich wohl mehr an die festangestellten (oder freien) Autoren, die eventuell ihre Brötchen davon bezahlen (müssen), als an den Laienautoren (zu dem sich wohl die meisten in einem Blog zählen). Aber so schwierig sollte es wohl nicht werden einen Konsens zu bilden, schließlich können es die Amis ja auch, und das will schon was heißen…



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